Woran erkennt man einen Bindungsphobiker?

Es gibt in den Medien und in Foren eine Tendenz, medizinische Diagnosen in Situationen zu verwenden, in denen sie gar nicht notwendig oder hilfreich sind. Woran erkennt man, dass man ein Bindungsphobiker ist? Woran erkenne ich, dass mein Partner ein Bindungsphobiker ist? Das sind Fragen, die einen selbst oder einen (potentiellen) Partner als krank abstempeln.

Es gibt viele Ängste, die zwar störend sind, aber noch nicht behandlungsbedürftig. Bindungsangst macht einen nicht behandlungsbedürftig, solange man nicht darunter leidet. Und dann, wenn der Leidensdruck groß genug ist,  ist es immer noch ein ziemlich großer Schritt, bis man nach einer Therapie sucht.

Was bedeutet also große Bindungsangst? Wie äußert sie sich? Der Wunsch nach einer Beziehung, nach Nähe ist da, aber gleichzeitig wächst im Laufe der Annäherung die Angst vor zu großer Nähe. Oft zieht sich unerwartet zurück, gerade nach besonders beglückenden gemeinsamen Erfahrungen.

Angst vor Veränderung in der Beziehung führt zu einer Krise

Es werden gemischte Signale ausgesandt so dass der Partner verunsichert wird. Einerseits zeigt der Bindungsphobiker, dass er an einer Beziehung interessiert ist, andererseits stößt er den Partner zurück oder entzieht sich, er ist einfach nicht mehr da.

Als Ursache für Beziehungsangst wird angenommen, dass in der frühkindlichen Entwicklung keine vertrauensvolle Beziehung zu Mutter oder Vater aufgebaut werden konnte. Oder dass die Trennung der Eltern als traumatisch erlebt wurde.

Trifft jemand, der keine eine enge Beziehung wünscht, auf einen Beziehungsphobiker, dann ist das vermutlich kein Zufall. Unbewusst wird man angezogen von jemandem, an dem man eine eigene Verletzung „abarbeiten“ kann. Sonst würde man sich nicht angezogen fühlen.

Eine Beziehung ist nichts statisches. Es gibt eine Dynamik, die Beziehung ist ständig in Bewegung. Anfangs geht es darum, den anderen besser kennenzulernen. Neugierig geht man auf einander zu. Das Verliebt-sein ermöglicht es beiden sich weiter zu öffnen.

Doch dann kommt ein Punkt, wo ein weitergehendes Sich-Einlassen auf den Anderen die eigenen Glaubensätze infrage stellen würde. Und da setzt die Angst ein. Bin ich bereit, mich zu verändern? Die Angst vor Veränderung begrenzt die weitere Entwicklung.